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Zuletzt aktualisiert:
29.08.2010 | 21:33



Gedanken zum nächtlichen Radio-Empfang.
Ich möchte mich diesem komplexen und hoch sensiblen Thema wissenschaftlich
nähern. Folgende singulär oder auch kohärent auftretende Faktoren sind in
die engere Betrachtung zu ziehen:


1. LA-DX-begünstigende Lebensbedingungen

ich empfehle die uneingeschränkte Vermehrung! Wer Kinder hat, weiß den
Mittagsschlaf zu schätzen, eine Zeit, in der ein professioneller DXer
sowieso nichts auf der KW zu suchen hat. Kinder sind prinzipiell nachtaktiv,
den Fledermäusen nicht unähnlich. Die des Nachts von den Kindern erzeugten
NF-Frequenzen können sich - wiederum den Fledermäusen nicht unähnlich -
durchaus dem Ultraschallbereich nähern und fördern die Bereitschaft des in
der Vaterschaft befindlichen DXers zur nächtlichen Ausübung seines Hobbys.


2. biologische Basisbedürfnisse

Es ist ja nun mal nicht zu leugnen, dass die Blase insbesondere des älteren
Herrn zu schwächeln beginnt. Was spricht dagegen, nach Entleerung derselben
den Shack aufzusuchen und Radio Quillabamba zu hören? Das hält jung und
frischt den VHS-Kurs "Spanisch für Hausfrauen" auf!


3. psychische Befindlichkeiten

günstig und hilfreich für nächtliches DX sind Schlafstörungen jeglicher Art.
Für den Rest der Menschheit eine Qual, für den LA-Freak meist ein Segen! Wer
unbedingt zwischen 2 und 4 Uhr nachts an der Kiste hocken will, sollte sich
schleunigst eine Depression zulegen. Hilft immer. Tipp: hohe Verschuldung,
Scheidung, Mobbing!


4. elektrisierende Highlights

Wer als erster Europäer eine neue Station aus dem peruanischen Andenhochland
entdeckt, denkt nicht an Schlaf! Allein der Gedanke, von Glenn Hauser als
"first logged by ..." erwähnt zu werden, elektrisiert total und vertreibt
erfolgreich das natürliche Schlafbedürfnis.


5. nächtliche Anrufe

Von Vorteil ist ein schichtarbeitender Hobbyfreund. Dieser hat in der Regel
ein gutes Feeling für exaktes Timing und ruft auch verlässlich um halb fünf
an, wenn Radio Mam aus Guatemala zu hören ist. Meinem von der Nachtschicht
heimgekehrten Hobbykollegen bin ich heute noch dankbar, dass er per
telefonischen Weckruf nicht nur mir, sondern meiner ganzen Familie vor
einigen Jahren dieses einmalige DX-Erlebnis zu früher Morgenstunde
ermöglichte.


6. entlastender Bürodialog

Immer wieder erfrischend ist der morgendliche Kaffee im Büro. Mit der
Dienstanweisung "Frau Müller, kochen Sie mir heute einen besonders starken
Kaffee" sorgt der DXer für allgemeines Verständnis. Eine einfühlsame
Reaktion bleibt meist nicht aus: "Gell, Herr Meier, haben'S heut Nacht
wieder Radio Mam gehört!"


Michael Schnitzer

Gedanken zum nächtlichen Radio-Empfang. Teil 2.
Hallo LA-Nachteulen,

nachdem ich mit meinem gestrigen Beitrag dieses Thema kabarettistisch
verunglimpft habe, folgt heute eine ernsthaftere Auseinandersetzung damit.

Im Prinzip ist es gar nicht nötig, für LA-DX größere Teile der Nachtruhe zu
opfern. Man sollte allerdings schon wissen, zu welchen Zeiten und auf
welchen Frequenzen eventuell etwas zu hören sein könnte.


1. Fade-in

Ein günstiges Zeitfenster für den LA-Empfang ist etwa von 21.30 bis ca.
23.30 UTC. Vor allem in der winterlichen Normalzeit ist dies durchaus zu
verkraften, zumindest am Wochenende. Dies gilt in erster Linie für
Südamerika (B, BOL, PRU, EQA, CLM, VEN). Nach 24.00 Uhr lassen die
Signalstärken auf dem Tropenband oft nach. Ein längeres Wachbleiben lohnt
sich daher kaum.

Für Mittelamerika sieht es hingegen schon etwas anders aus. Die theoretische
Empfangbarkeit von Sendern aus Guatemala beginnt in den europäischen
Sommermonaten nicht vor etwa 00.30 UTC. Da muss man in der Tat recht lang
aufbleiben.


2. Fade-out

Jetzt kommen wir zur Domäne der MW-DXer. Frühaufsteher sind eindeutig im
Vorteil. Das Zeitfenster um den lokalen Sonnenaufgang herum bringt oft
überraschende MW-Catches aus Lateinamerika. Dies würde eigentlich in
ähnlicher Weise für die Tropenbandfrequenzen gelten, nur haben wir hier das
Problem, das viele Lokalstationen aus LA nicht länger als bis 3.00 UTC
senden.

Man kann natürlich auch anhand der solaren Aktivität und des
Ionosphärenwetterberichts versuchen zu beurteilen, ob sich das Wachbleiben
lohnt oder nicht. Aber das ist eine Wissenschaft für Spezialisten!


3. Fazit

Wer in den Wintermonaten LA-Stationen hören will, hat gute Chancen zu
fade-in. Zu mitternächlicher Stunde kann sich der LA-DXer zur Ruhe begeben,
ohne befürchten zu müssen, irgendetwas zu versäumen. Und bis zwölfe Ortszeit
ist's doch auszuhalten, oder?


Und noch was:

Ich bin meinem schichtarbeitenden Hobbyfreund übrigens wirklich dankbar für
den nächtlichen Anruf wegen Radio Mam. Die Station war sehr selten in D zu
hören, und für mich war's eine echte Premiere. Der Mitschnitt aus dem Jahr
2000 ist im Audioarchiv auf meiner Homepage zu finden.


gut LA-DX

Michael Schnitzer - michael_schnitzer@web.de
Homepage: http://home.arcor.de/mschnitzer/
Location: Hassfurt, Germany

Aktuelle Tipps

zum Fernempfang

Alle Zeitangaben beziehen sich auf UTC Weltzeit, früher auch als GMT bekannt, also während des Sommers MESZ minus zwei Stunden. (10 Uhr UTC = 12 Uhr MESZ)

Funkwetter aktuell

Die Angabe der Frequenz differiert von den üblicherweise verwendeten Abkürzungen, daher gilt hier: LF=unter 10MHz MF=10-20MHz HF=über 20MHz

Argentinien

Ekkehard Domnik hörte den Auslandsdienst Argentiniens am 12. Juli gegen 17.50 UT mit dem DX-Programm auf 15345 kHz, meldet die A-DX Liste.

Brasilien

PPE Observatorio Nacional, die Zeitzeichenstation aus Rio hörte Patrick Robic am 3. Juli auf 10000 kHz um 2100 UTC

Aserbaidschan

Die Voice of Justice aus Stepanakert - Aserbaidschan konnte Anfang Juli von Thomas Lindenthal um 13:22 UTC auf 9677,77 mit einigermaßen gutem Signal, aber schlechter und dumpfer Modulation gehört werden. Die Sendungen werden nur Dienstags und Samstags ausgetrahlt.

Diego Garcia

Willi Westrupp meldet auf A-DX den Empfang des AFN Senders der Insel Diego Garcia auf 4319 kHz. Gehört in USB Mode gegen 18.15 UT. (30.5.10)

Guinea

Patrick Robic meldet in A-DX den seltenen Empfang von Familia FM aus Guinea. Der schwache 1 kW Sender auf 4900 kHz ist seit Mai 2010 aktiv und in den späten Abendstunden sehr leise hörbar. Sendeschluss um 00.05 UT.

Isle of Man

Manx Radio von der Isle of Man konnte Reinhold Schuttkowski gegen 21.30 UT auf Mittelwelle 1368 kHz hören, berichtet er Mitte Mai in A-DX.

Niger

Nils Schiffhauer meldet Mitte Mai 2010 in A-DX den Empfang von LV du Sahel gegen 20.30 UT auf 9704 kHz.

Thailand

Andreas Hatting berichtet in A-DX vom Empfang des Senders Bangkok Meteo Radio auf 8743 kHz USB Mode gegen 19.00 UT , gehört auf dem DX-Camp Solingen. (20.5.10)

Griechenland

Radio Filia wurde am 29.3 gegen 09.00 UT von Felix Lechte auf 11645 kHz gehört. Anstatt des deutschen Programms wurde eine Musiksendung übertragen.

Tartastan

Herbert Meixner berichtet über den Empfang des Rundfunksenders Tartastans auf 9690 kHz am 28. März 2010 gegen 0630 UT.

Bolivien

Radio Logos aus Bolivien wurde von Erwin Duldner am 16. März gegen 23 UT auf 4865 kHz gehört.

Kuba

Der neue Sender von Radio Havanna im Tropenband auf 5040 kHz wurde von einigen Hörern Ende März in der A-DX Liste gemeldet. Der Empfang sollte während der späten Nachtstunden problemlos möglich sein.

Argentinien

Ralf Ladusch berichtet über den Empfang von RAE Buenos Aires abends auf 15345 kHz, nachdem der Sender einige Wochen außer Betrieb war. (18.2.10)

Kanada

Günter Lorenz berichtet in A-DX vom Empfang des CBC Northern Service auf 9625 kHz gegen 22.10 UT. (15.2.10)

Saipan

Reinhard Schmidt berichtet in A-DX vom Empfang von KFBS Saipan in russisch auf 11650 kHz gegen 11.20 UT. (14.2.10)

Indonesien

Wolfgang Büschel berichtet in A-DX über sehr guten Empfang der deutschen Sendung der Stimme Indonesiens ab 17.00 UT auf 9525 kHz. Der Sender aus Jakarta Cimangis ist bis ca. 17.30 UT gut hörbar. (13.2.10)

Surinam

Radio Apintie ist nachts auf 4990 kHz schwach zu hören. Bester Empfang gegen 03-05 Uhr UT, man sollte aber eine gute Antenne besitzen und auf wenige Störungen hoffen, die Station aus Surinam ist mit max. S1/S3 zu hören. (3.2.10)

Russland

Radio Rossii aus Magadan ist von Patrick Robic auf 7320 kHz um 07 UT gehört worden. Das Programm aus Yakutsk auf 7200 kHz war zeitgleich zu hören.(29.1.10)

Laos

A-DXer Thomas Lindenthal hörte den nationalen Rundfunk aus Laos gegen 13.30 UT auf 7145 kHz. Auch nachts ist auf der freien Frequenz der Sender aus Vientiane schwach zu hören.(26.11)

Burkina Faso

Überraschend hat Radio Burkina Anfang November seinen Tropenbandsenderauf 5030 kHz wieder aktiviert und ist seither abends schwach zu hören. (3.11)

Somaliland

Sam Voron berichtete über guten Empfang von Radio Hargeisa auf 7145 kHz. Tatsächlich ist die Station nach 17 Uhr UT bis zum Sendeschluss um 19 Uhr UT gut zu hören.

Kuba

Radio Rebelde ist eine der am lautesten hörbaren Stationen im 60 Meter Tropenband. Auf 5025 kHz kann der Sender ab ca. 22 Uhr UT die ganze Nacht selbst mit kleinen Radios gut gehört werden.

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