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[A-DX] Repressionen gegen Hörer in der DDR?



Lieber OM Dietrich,
DXer und dann noch in der Kirche!? Da wurden bestimmt staatsfeindliche Aktionen deinerseits erwartet. Ein Hobbyfreund von damals hatte auch diesen Hintergrund und er wurde wesentlich intensiver überwacht. Zum Glück kam die Wende. In seiner Akte wurde dann in Richtung Militärspionage ermittelt. Dieser Kelch wurde aber zum Glück nie geleert.

Damals haben Hobbyfreunde aus vorrauseilender Gehorsam  keine Stationen im NSW angeschrieben bzw. im Verhältnis 5x Ost 1x West.  
Lang, lang ist es her. Aber so richtige Verhaftungen oder Anklagen sind mir nicht bekannt. Angst machen hat meistens gereicht um die DXer zu disziplinieren. Die Hobbyfreunde im Westen ließen sich manchmal keine Angst machen und so kam es wohl zu der von Nils erwähnten Anklage. Doch die BRD war ein Rechtsstaat und die Richter unabhängig. Der Angeklagte hatte eine Chance zu gewinnen. In der DDR war es bei angeblichen staatsfeindlichen Akten eher schwer zu gewinnen. Dann kam es auch noch auf die Partei und MfS Führung in den Kreisen und Bezirken an als welche Gefahr die DXer gesehen wurden. Doch eine wissenschaftliche Einschätzung ist das nicht.
Liebe Grüße,
Ralf

  
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Dietrich Hommel <Dietrich.Hommel@xxxxxx>
Datum: 15/07/09 10:23
An: <liste@xxxxxxx>
Betreff: [A-DX] Re: [A-DX] Repressionen gegen Hörer in der DDR?

----- Original Message ----- 
From: "Nils Schiffhauer" <dk8ok@xxxxxxx>
> Der vorübergehende Befund, der auch nicht-repräsentativ ist, legt somit
> nahe:
> * konkrete (!) Beeinträchtigungen des DX-Hobbys gab es zumindest in den
> 1980ern in der DDR nicht
> * Gerüchte zu Beeinträchtigungen machten die Runde, sind aber nicht 
> belegbar
> ("urban myth")
Hallo OM Nils und andere!
Jetzt möchte ich mich auch mal zu Wort melden.
Einspruch. Ich kann mich noch sehr genau an den 1. November 1983 (!!!) 
erinnern. Eine Woche vorher erhielt ich die Aufforderung, zum oben genannten 
Termin alle meine Post von ausländischen Radiosendern mit in den Betrieb zu 
bringen. Die Aufforderung sprach der Sicherheitsbeauftragte 
(Stasi-Mitarbeiter) meines Betriebes aus. Er sagte, es wollen sich "einige 
Genossen des Ministeriums für Staatssicherheit" mit mir unterhalten. Das 
Wort "Genosse" war eigentlich unangebracht, da ich niemals Genosse war. Aber 
es war leider gang und gäbe, daß dieses Wort gebraucht wurde. Dann war es 
soweit. Mein Argument, daß ich nicht alles hätte tragen können, wurde 
murrend von den Stasi-Mitarbeitern akzeptiert. Ich hatte natürlich einiges 
aussortiert, wie RSA und Israel. Dann beschaute man meine Sachen und sagte 
zum Beispiel zur Stimme der Türkei, daß in diesem Land gefoltert würde und 
ob mich das nicht störte. Auslöser für das Gespräch war scheinbar jedoch 
etwas anderes. Ich hatte einen Lehrling gefragt, ob er auch die Waffe 
verweigert habe (wie ich), da er nicht mit ins Wehrlager (GST-Lager genannt) 
gefahren sei. Zufällig hatte das der Lehrmeister (ein allseits bekannter 
Stasi-IM) gehört und mich sofort bei der Stasi verpfiffen. Beim Gespräch 
monierte man noch meine QSL vom Süddeutschen Rundfunk, ansonste ging das 
Gespräch dann darum, ich mache Propaganda für die Evangelische Kirche (wegen 
dieser Waffensache). In der DDR wäre die Partei an der Macht und nicht die 
Kirche. Ich hätte über meine Bausoldaten-Entscheidung (Wehrdienst ohne 
Waffe, von der Evangelischen Kirche mühsam durchgesetzt) mit niemand zu 
reden.
In einer zweiten Mail schreibe ich zu meiner Stasi-Akte, die ganz konkret 
zum DX-Hobby Stellung nimmt.
Beste 73,
Dietrich
 
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Diese Mail wurde ueber die A-DX Mailing-Liste gesendet.
Admin: Christoph Ratzer, OE2CRM  http://www.ratzer.at
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Private Verwendung der A-DX Meldungen fuer Hobbyzwecke ist gestattet, jede
kommerzielle Verwendung bedarf der Zustimmung des A-DX Listenbetreibers.

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