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[A-DX] RE Repression gegen DDR-Hörer



Hallo Thomas, Martin, Nils und die anderen Schreiber zum Thema Repressionen in der DDR", 
in der geführten Debatte bitte ich nicht zu vergessen, dass nun mal bis 1990 zwei deutsche Staaten an der Trennlinie zwischen NATO und Warschauer Vertrag gab, die nach dem zweiten Weltkrieg in den Einzugsgebieten der Siegermächte auf deren Geheiß entstanden. Der kalte Krieg fand dadurch seinen Anfang. Natürlich hatten Radiohörer in diesem Zusammenhang einfach unterschiedliche Bedingungen fürs hobbybezogene Radiohören von Sendern hinter diesen Grenzen. 
Es war in der DDR nicht verboten Auslandssender zu empfangen und denen zu schreiben, auch wenn Teile der Post auf dem Wege dorthin oder zurück "verloren" gingen. Das ist wohl ein trauriges Kapitel, aber eben in diesen Zeiten des kalten Krieges nicht ungewöhnlich. Das passierte übrigens auch in den anderen sozialistischen Ländern (mehr oder minder stark) und im Norden Koreas und Cuba heute noch. 
Wer also in seine Stasi-Akte schaut muss sich deshalb nicht wundern. Leider können nur wir im Osten von dieser Möglichkeit gebrauch machen und uns über das zu lesende auslassen. Ich habe mir des Öfteren gewünscht, dass auch im Westen Hobbyfreunde mal beim BND nachfragen können, ob es dort in gewissen Situationen auch dort "freundliche Mitleser" gab. 
Eines steht allerdings fest, dass das reine Hören und Anschreiben von ausländischen Radiostationen keine rechtlichen Sanktionen nach sich zogen. Täter wurde man bis zu diesem Punkt, wenn es nicht um die damals so genannten Diversionssender (RIAS, DLF, DW, RFE-RL) ging, nicht. Das war auf beiden Seiten bekannt, denn nicht umsonst gab es ja Deckadressen beim RIAS und Hinweise keinen Absender im Antwortschreiben zu nennen. 
Der geübte DDR-DX-er war aber nicht auf den Kopf gefallen und suchte nach Lösungen, um das Problem zu umgehen. Ich habe zum Beispiel meine Post direkt an den Technischen Leiter einer Station gerichtet und in Leipzig in den Briefkasten geworfen, mit der Antwortadresse bei der Schwiegermutter in Delitzsch (30 Km nördlich von Leipzig). Dort habe ich meine Post unproblematisch abholen können. 
In den 70-er Jahren habe ich ein von einem Freund geborgtes WRTH in nächtelanger Arbeit per Hand abgeschrieben, um detaillierte Angaben über Frequenzen und Adresse von Sender zu erhalten. 
Jeder hat sicher seine eigenen Erfahrungen mit der Hobbyausübung gemacht und war erfinderisch, wenn es ums umgehen von Hinderungsgründen ging, die mögliche Repressionen zur Folge haben könnten. 

Eine Sache sollte bei der Diskussion aber nicht vergessen werden und die berührt Sender in sozialistischen Ländern. In den Jahren der DDR gerieten Radio Prag im "Prager Frühling", Radio Peking in der Mao Zeit, Radio Polonia in Zeiten von Solidarnosz oder Radio Moskau und der Sender Frieden und Fortschritt beim erblühen von "Glasnost und Perestroika" auch ins Visier der Kontrolleure von Postsendungen. 

Beste Grüße aus Leipzig, Hans-Joachim 


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