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[A-DX] The Conet Project


  • Subject: [A-DX] The Conet Project
  • From: Thomas Kamp <1step@xxxxxx>
  • Date: Sun, 07 Jan 2007 13:36:09 +0100

Heute war RADIO CAROLINE EIFEL über Ulbroka (Lettland, 100 kW) auf 9.290
kHz gut zu empfangen. Gesendet wurde ein einstündiges Programm (0900 -
1000) über Zahlen- & Agentensender. Die Sendung konnte auch im Internet
auf www.radio-caroline-eifel.de.vu gehört werden.

Beeindruckend waren die zahlreichen Klangbeispiele unterschiedlichster
Zahlensender. Nach Aussagen von Moderator Roman entstammen die
verwendeten Audios dem "Conet Project" (nicht mit dem "Borat"-Projekt zu
verwechseln...). Doch was hat es mit diesem "Conet Project" auf sich?

Unter klangmuseum.de wurde ich fündig. Dort gibt es eine kurze
Beschreibung des "Conet-Projects" - ein Set von 4 CDs, erschienen 1997
bei Irdial Discs. Zitat: "Numbers Stations, das sind Radio-Stationen,
die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Und wenn es sie gibt, dürfen
wir sie nicht hören. Diesen Sendern ist das Conet project auf der Spur.
Nummernsender senden Nummern, eigentlich nichts besonders aufregendes.
Sie tun das jedoch in einem eigentlich illegalen Frequenzbereich, doch
merkwürdigerweise verfolgt keiner dieses doch an sich als
Rundfunkpiraterie bekannte Delikt. Richtig Bescheid wissen darf auch
keiner. Jedenfalls wird vermutet, daß auf diese Weise Geheimdienste aus
aller Welt ihre Agenten instruieren, unverfänglich, nicht nachweisbar,
nicht zu verfolgen, mit einem Wort: sicher. Das Conet project
dokumentierte Aufnahmen dieser Sendestationen auf 4 Cds. Diese Box ist
inzwischen wieder manchmal erhältlich, aber das Material ist auch aus
dem Internet abzurufen."

Bei amazon.de ist das Set tatsächlich gebraucht für rund 75 EUR zu
haben. Alle Audio-Files dieses Sets aus 4 CDs zzgl. Booklet finden sich
aber auch unter www.archive.org/details/ird059. Wer interessiert ist,
kann sich auch das gesamte Verzeichnis unter 

http://www.archive.org/compress/ird059 

auf seinen PC laden (133,8 MB). Die Qualität der mp3-Files (64 kb, 44,1
kHz) ist hinreichend gut.

Das Projekt geht zurück auf den in London lebenden Plattenproduzenten
Akin Fernandez. Im Dezember 1992 suchte Akin die Kurzwelle nach
Wetterdaten ab und stieß dabei zufällig auf einen Sender, bei dem eine
Frauenstimme mit amerikanischem Akzent Zahlen in Fünfergruppen vorlas.
Akin Fernandez: "In den folgenden Wochen entdeckte ich noch viele solche
Übertragungen. Ich kaufte Bill Lavers Handbuch der Internationalen
Kurzwellenfrequenzen, in dem mehr als 20.000 Sender verzeichnet sind.
Doch die Zahlensender kamen darin nicht vor, und niemand wußte wirklich,
wozu sie dienten. Das schien mir reichlich seltsam. Radiopiraterie ist
eine Straftat, die in der nördlichen Hemisphäre sehr ernst genommen
wird. Hier aber gab es auf hunderten Frequenzen illegale Sendungen, die
ignoriert wurden. Wenn die Zahlensender Piraten waren, für welches
Publikum sendeten sie dann? Und wenn es keine Piraten waren, wer
bewilligte dann die Ausstrahlungen dieser Sender, die offensichtlich
keine Lizenzen hatten?" (Zitat nach: Ute Hargassner. Diskrete Zahlen –
Lauschangriff auf Geheimdienstsender;
http://matrix.orf.at/bkframe/980614_1.htm)

Als Akin Fernandez im Internet nach Aufnahmen von Zahlensendern suchte,
erhielt er eine Flut von Zusendungen aus aller Welt, die er dann als
CD-Edition "The Conet Project" veröffentlichte.

Der dreistündigen Dokumentation liegt ein Informationsheft ("booklet")
bei mit detaillierten Angaben zu den einzelnen Aufnahmen, die mit einem
von E.N.I.G.M.A. entwickelten Klassifikationssystem anhand der
verwendeten Frequenzen, des Sendeschemas, der Signale und der
Kennmelodien möglich ist.

Nicht geknackt wurden bisher die Botschaften der Zahlensender. Akin
Fernandez hat deshalb gleichzeitig mit der Herausgabe von "The Conet
Project" auch die Transkription mehrerer Zahlensender im Netz
veröffentlicht und zum Sturm auf den Code aufgerufen. The Conet
Challenge heißt die Herausforderung, und wer zum Beispiel den Schlüssel
des Senders G2 "The Swedish Rhapsody" herausfindet, dem winkt als Preis
eine antike römische Goldmünze. Über den Algorithmus zur Verschlüsselung
der G2-Botschaften gibt es keine Information, und jede Methode ist
erlaubt, um das Geheimnis der Chiffrierung aufzudecken. (In: Ute
Hargassner; ebenda).

In der Washington Post ist übrigens im August 2004 ein Artikel über Akin
Fernandez erschienen - "The Shortwave And the Calling".


Alle Links und Fotos unter
http://radioskala.blogspot.com/2007/01/zahlensender-das-conet-project.html#links


Tom DF5JL

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