[A-DX] Funkhaus neu: Was wird aus dem ORF-Sendegebäude an der Argentinierstraße? – FALTER.morgen #1034

Herbert Meixner via groups.io
Donnerstag, 27. März 2025, 07:09 Uhr


Auszug aus den FalterNachrichten vom 27. März.

Mit Gruß,
Herbert
A-3160 Traisen
NRD 535 DG, Boni-Whip

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Betreff: Funkhaus neu: Was wird aus dem ORF-Sendegebäude an der 
Argentinierstraße? – FALTER.morgen #1034
Datum: Thu, 27 Mar 2025 06:15:43 +0100
Von: FALTER.morgen 
Antwort an: morgen@...
An: meixher@...

Funkhaus neu: Was wird aus dem ORF-Sendegebäude an der
Argentinierstraße? – FALTER.morgen #1034

Mehr Informationen hier
(https://newsletter.falter.at/l6vyrQNtyrYL4pFLpNm)Alter Rauch und neue
Funken

2025 beginnt die Neugestaltung vom legendären Funkhaus in der
Argentinierstraße. Was man vorhat und wo man hinwill.

Viele Kulturschaffende hängen am Funkhaus oder dem, was in der
Argentinierstraße 30a  übrig ist. Aber keiner meinte das so wörtlich
wie Robert Menasse: 2015 hat er sich im Rahmen einer emotionalen
Demonstration vor Hunderten an die Funkhaus-Tür gekettet, um gegen den
Auszug des ORF und den Verkauf des Gebäudes zu protestieren. Symbolisch
freilich. Zunächst!, wie er selbst androhte. Aber wenn das nichts
helfe, werde er sich dauerhaft hier anketten und auch andere
Kulturschaffende würden abwechselnd dafür sorgen, dass die Investoren
draußen bleiben.

Es sollte anders kommen. Seit November 2023 ist der ORF weg, Menasse
hängt längst nicht mehr und die Investoren sind bis in die
Eingangshalle vorgedrungen. Am vergangenen Dienstag luden sie zu einer
ersten Pressekonferenz, bei der man betonte, dass man sich der
Geschichte und Bedeutung des Hauses bewusst sei, es um eine sanfte
Umgestaltung gehe und möglichst viel vom alten Funkhaus erhalten
bleiben soll. Anschließend öffnete das Gebäude seine Pforten für
zwei Tage der offenen Tür mit Führungen, Konzerten und
Ausstellungen. Eine Ausstellung im Erdgeschoss erinnert an die
Geschichte des Gebäudes. (© Falter/Klimpfinger)

Eigentlich war das Haus ja auf eine sich schnell veränderte
Medienlandschaft ausgerichtet. Es wurde in den 1930ern im Auftrag des
ORF-Vorgängers RAVAG im Wissen errichtet, dass sich das damals noch
recht neue Medium Radio schnell weiterentwickeln würde, erzählt
Jürgen Weishäupl, Kulturmanager des neuen Projekts, bei einer Führung
am Dienstag. Das Haus steht unter Denkmalschutz. Das Stiegenhaus auch.
Aber im Inneren habe sich immer wieder viel verändert. Das Haus ist
also Übergang gewöhnt.

Den will man hier in Zukunft dauerhaft einziehen lassen. Klingt paradox
und ist es auch. Man plant ein Hotel – „Hospitality” ist das
Schlagwort der Stunde –, neue Wohnungen, Gastronomie und etwas, das
man verheißungsvoll „Culture Mall” nennt, aber natürlich ohne den
kommerziellen Part so eines Einkaufszentrums. Das FUNKHAUS (die
Kombination aus Bild und Schrift hat man sich bereits markenrechtlich
schützen lassen) soll sich der Bevölkerung öffnen, wieder ein „Ort
des Schaffens” werden, Konzert- und Eventlocation, Grätzeltreffpunkt,
Ausstellungsraum in einem sein. Dass das ein „schwammiges Konzept”
ist, dessen ist sich Hubert Rhomberg, Geschäftsführer der Rhomberg
Gruppe, die den Großteil des Gebäudes gekauft hat, durchaus bewusst.
Aber das mache es ja auch irgendwie aus.

Also nochmal konkret: Ja, die Rhomberg Gruppe will Wohnungen schaffen.
Die sollen aber nur 20 Prozent des bestehenden Gebäudes einnehmen.
Außerdem will man im Innenhof einen Neubau mit 35 Wohnungen hochziehen,
einen Holz-Hybrid, der angeblich 50 Prozent weniger Ressourcen und CO2
verbraucht. „Der Neubau stellt die Schwungmasse für das Haus her”,
sagt Erich Bernard von BMW Designers & Architects, die mit dem Umbau
betraut sind. Irgendwie müsse es sich ja finanzieren. Das Hotel soll in
das Haus „hineinwachsen” – die Vorstellung bleibt vage, der
richtige Betreiber dafür muss erst noch gefunden werden. Man sei aber
bereits „in Gesprächen”. Was recht gesetzt klingt: Die Parkplätze
vor dem Haus werden verschwinden und der Vorplatz soll in den neuen
Fahrrad-Highway auf der Argentinierstraße integriert werden.

Der rote Teppich, der im ersten Stock durch den Gang läuft, an dem
früher die Ö1 Redaktion angesiedelt war, ist verschlissen, irgendwie
ausgetrampelt. Im Eck liegt ein kleiner Plastikbecher, hartnäckiger
Lurch klammert sich an früher und in manchen Wänden hängt noch immer
der kalte Rauch aus alten Zeiten. Zurzeit sind im Funkhaus 103
Künstlerinnen und Künstler in 73 Ateliers einquartiert, die früher
mal Studios oder Büros waren. Dahinter steht der Verein Never At Home,
der damit bereits die vierte Zwischennutzung organisiert. Zumindest bis
zum Sommer wird in einem ehemaligen Studio Musik produziert
– schalldicht, das ist praktisch –, ein Geigenbauer hat sich in
einem Raum der Radio-Wien-Redaktion im zweiten Stock niedergelassen,
schräg gegenüber arbeitet eine Künstlerin mit Stein und Glas. Von 16.
Mai bis 22. Juni wird das Funkhaus zum „Haus der Republik” und damit
zum Zentrum der Wiener Festwochen. Und danach, im Sommer, sollen zwei
weitere Stockwerke Kreativen aller Art zur Verfügung stehen. Die
Neugestaltung soll schrittweise ablaufen, sanft, wie es heißt.

Einiges ist also noch offen, manches soll es bleiben. Ob das
funktionieren wird? Hauptsache, es funkt. Anzeige©SKB/Herta Hurnaus,
Michael Cilc
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