[A-DX] Schweiz: Radio auf UKW wird vorerst überleben, nach den Privaten auch die SRG
Martin BöschFreitag, 12. Dezember 2025, 07:35 Uhr
- Vorherige Nachricht (dieses Gesprächs): [A-DX] 639 kHz BBC WS Lady's Mile 639 kHz 1655 UTC
Hoi zäme,
2014 hat die Schweizer Radioindustrie, die SRG (Schweiz.
Radiogesellschaft), das Bakom (Bundesamt für Kommunikation) und auch die
Schweizerlokalradioanbieter, den Entscheid gefällt, ab 2024 auf die
Ausstrahlung der Programme über UKW zu verzichten und stattdessen auf
den Verbreitungsweg Internetradio und DAB+ zu setzen.
Ende 2024 sind die UKW-Frequenzen des Schweizer Radios SRF in allen
Sprachregionen stillgelegt wuerden, schon monatelang wurde auf den
Umstieg auf DAB+ hingewirkt. Nicht alle Schweizer haben diesen Umstieg
vollzogen, die SRG Programme haben die Hörerschaft vergrätzt und bis 30
% ihrer Hörer verloren.
Die privaten Lokalradios dürfen bis Ende 2026 den UKW-Bereich weiterhin
nutzen, sie haben allesamt an Reichweite gewonnen. Unter Federführung
des Privatradiopioniers Rogers Schawinski wurden Anstrengungen
untenrommen, das Verbot der Nutzung von UKW-Frequenzen für
Radioausstrahlungen auf Druck von Hörerschaft und Politik zu streichen -
solange die UKW-Programme noch gehört werden, bestehe kein Grund, auf
ein rares Gut wie freie Frequenzen freiwillig zu verzichten und den
UKW-Bereich den Stationen aus dem Ausland zu überlassen. Die Abwanderung
der Hörer zu ausländischen Sendern wäre bei einer Aufgabe der
UKW-Aussendungen auch durch die Privatstationen die absehbare
Entwicklung gewesen.
Der Nationalrat, die grosse Kammer des Parlaments, hatte im September
einer Motion zugestimmt, die dem Bund den Auftrag gegeben hatte, auch
über 2027 hinaus UKW-Konzessionen zu vergeben, in der vergangenen Woche
hatte auch die Kleine Kammer dieses Anliegen unterstützt. Die
Konzessionen für UKW-Frequenzen per 2027 werden nun neu ausgeschrieben.
Prompt hat das Vorgehen auch die SRG auf den Plan gerufen. Angesichts
der massiven Reichweitenverluste (viele Autofahrer mit älteren
Fahrzeugen können keine nationalen Verkehrsmeldungen mehr hören) und der
drohenden Abstimmung zur Initiative über die Reduzierung der jährlichen
Radiogebühren auf 200.- Fr. ist der Ruf mehr als angekratzt und die
Unzufriedenheit der Zuhörer könnte zu den Budgetkürzungen führen. Nun
hat die SRG entschieden, die Aussendungen auch im UKW-Band wieder
aufzunehmen. Ob das erst mit der Neuausschreibung der Konzessionen 2027
erfolgen wird und wie rasch die SRG nach Demontage zahlreicher
UKW-Sender wieder sendebereit sein wird, wird sich weisen.
Ein Nebenschauplatz ist die Versorgung der Bevölkerung mit Informationen
im Katastrophenfall. Hierfür wurde die Schweiz mit einem Netz aus
gesicherten verstärkten UKW-Sendern, die in die Schutzräume reichen,
ausgerüstet. Zunächt war die Reaktion des Bakom auf die Frage dazu von
Schawinski in einem Interview überrascht ("da haben wir nicht
drangedacht"), dann setzte man auf Bevölkerungsinformation über das
digitale Mobiltelephonnetz (welches in Katastrophensituationen rasch
zusammenbrechen dürfte und unter der Erde nicht empfangbar ist) und Ende
November war davon die Rede, die Bevölkerung sei ja informiert, dass man
im Fall eines Sirenenalarms Radio hören müsse, man müsse halt noch ein
UKW-Radio und Batterien im Notvorrat behalten... (und dann auf der Skala
die entsprechende Station suchen, die schon jahrelang nicht mehr
gesendet hat...).
So könnten in den kommenden Jahren durchaus wieder Programme der
öffentlich - rechtlichen Radiostationen im umliegenden Ausland zu hören
sein.
Lieber Gruss aus der Schweiz
Martin Bösch
- Vorherige Nachricht (dieses Gesprächs): [A-DX] 639 kHz BBC WS Lady's Mile 639 kHz 1655 UTC

