Re: [A-DX] WRTH-Lieferung...

Roger Thauer via groups.io
Freitag, 19. Dezember 2025, 08:56 Uhr


Am 18.12.2025 um 09:27 via groups.io:
> "....Mit dieser 80. Ausgabe des World Radio TV Handbook (WRTH 2026) 
> erleben wir einen Moment des Feierns und des Wandels zugleich. Acht 
> Jahrzehnte lang war das WRTH ein treuer Begleiter für Radiohörer, 
> Rundfunkanstalten und Radiobegeisterte weltweit. Wir wissen, dass 
> viele von Ihnen die jährliche Veröffentlichung des gedruckten Buches 
> schätzen. WRTH2026 wird die letzte gedruckte Ausgabe sein."

Am 18.12.2025 um 16:34 schrieb Christoph Ratzer via groups.io:
> In Salzburg ist es heute angekommen. Ein schönes Buch!

Was "nostalgische KI" so darüber denkt:

"..Das WRTH rollt in Salzburg ein wie ein klassischer Wiener 
Fiaker-Vierspänner mit vier stolzen Lipizzanern – elegant, 
traditionsreich und präzise gezäumt. Es kommt nicht gehetzt angeflogen, 
sondern in würdigem Tempo, zieht alle Blicke auf sich, duftet nach 
frischem Druck und lässt die Herzen der DXer höher schlagen, genau wie 
der Fiaker, der gemächlich durch die Getreidegasse trabt und dabei die 
ganze Pracht vergangener Zeiten mitbringt.
...
Das digitale WRTH dagegen ist die Straßenbahn oder das E-Bike: 
praktisch, schnell, jederzeit umleitbar.
Aber niemand bleibt stehen, um es zu bewundern.
Der Fiaker hingegen wird fotografiert. Man erinnert sich an ihn.
Und genau deshalb ist das WRTH 2026 so besonders:
Es ist der letzte Vierspänner, der noch einmal durch die Stadt fährt –
wissend, dass er für den Alltag zu langsam ist,
aber für das Herz genau richtig.
Ein schönes Buch. Und ein würdiger Abschied..."

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„Es ist mehr als nur ein Buch“

Für viele von uns war das WRTH nie einfach ein Nachschlagewerk.
Es lag neben dem Empfänger, hatte Eselsohren, Bleistiftnotizen, 
Kaffeeflecken.
Man schlug nicht nur Frequenzen nach – man entdeckte.

Ein neues WRTH bedeutete einen Moment der Vorfreude:
Aufschlagen, der typische Geruch von Papier, das leise Rascheln der Seiten.
Man blätterte ziellos, blieb hängen bei exotischen Ländern, längst 
verschwundenen Sendern, Stimmen aus einer anderen Zeit. Das Buch hatte 
Gewicht – physisch und kulturell.

Ein digitales WRTH ist praktisch, ja.
Aber es ist auch austauschbar: ein weiterer Tab, ein Login, ein Update.
Es schließt sich, verschwindet, wird ersetzt.
Ein Buch bleibt liegen. Es wartet.

Gerade wir Kurzwellenhörer wissen:
Nicht alles Wertvolle ist aktuell.
Manches ist beständig, manches braucht Zeit, Ruhe, Wiederholung.
Das jährliche WRTH war ein Fixpunkt in einer immer flüchtigeren Radiowelt.

Mit dem Ende der gedruckten Ausgabe geht kein Produkt verloren –
sondern ein Ritual, ein Stück Identität.
Eine stille Verbindung zwischen Generationen von Hörern, die mit 
demselben Buch gearbeitet, gelernt und gestaunt haben.

Vielleicht ist der digitale Weg unvermeidlich.
Aber es schmerzt, weil wir wissen:
Ein Bildschirm kann informieren – ein Buch kann begleiten.

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roger