[A-DX] Ines Pohl, Washington Bureau Chief for DW, verlängert Vertrag

Tom Kamp via groups.io
Freitag, 02. Januar 2026, 15:11 Uhr


Ines Pohl, Washington Bureau Chief for Deutsche Welle, schreibt heute:

"Heute habe ich meinen Vertrag als Washington‑Büroleiterin der Deutschen 
Welle um weitere drei Jahre verlängert. „Be curious and not judgmental“ 
bleibt mein Leitspruch – an Entmenschlichung werde ich mich nicht gewöhnen.

Es ist nicht normal, dass ein Präsident andere Länder als „Dreckslöcher“ 
bezeichnet. Es ist nicht normal, dass er sich über Menschen mit 
Behinderungen lustig macht, Journalistinnen und Journalisten zu „Feinden 
des Volkes“ erklärt oder einen verbündeten Staatschef wie Wolodymyr 
Selenskyj aus dem Oval Office wirft. Das sind keine Randbemerkungen, 
sondern Angriffe auf Würde, Respekt und die Grundlagen demokratischer 
Kultur.

Gefährlich wird es, wenn einer der mächtigsten Männer der Welt die 
Regeln verlässt, auf denen das Miteinander demokratischer Staaten beruht 
– und noch gefährlicher, wenn wir beginnen, solche Grenzüberschreitungen 
hinzunehmen. „Da wundert einen gar nichts mehr“ darf keine Haltung sein.
Das Jahr, das heute begonnen hat, wird entscheidend sein. Wie weit kann 
Donald Trump gehen? Werden die Zwischenwahlen seine Macht begrenzen – 
oder wird er versuchen, ihren Ausgang zu unterlaufen? Erste Risse sind 
sichtbar: Abweichler bei Abstimmungen, Wahlergebnisse, die zeigen, dass 
sich frühere Unterstützer abwenden. Viel wird auch von den Demokraten 
abhängen – von ihrer Glaubwürdigkeit und ihrer Fähigkeit, Mehrheiten zu 
gewinnen.

Eine Gewissheit bleibt: Es ist nicht normal, wenn ein US‑amerikanischer 
Präsident Länder verachtet, Menschen verspottet, unabhängige Medien 
bedroht und diplomatische Grundregeln missachtet. Trump und seine 
Weltsicht haben erst dann gewonnen, wenn wir diese Verrohung als neue 
Normalität akzeptieren.
Ich bin weiterhin überzeugt, dass die Vereinigten Staaten von Amerika, 
die in diesem Jahr ihren 250. Geburtstag feiern, mehr sind als Donald 
Trump. Dass „Freedom“ nicht für Ausgrenzung steht, sondern für Würde.

Lasst uns wachsam bleiben. Aber auch optimistisch. Wir werden viel 
positive Energie brauchen und gegenseitige Unterstützung, um uns nicht 
abzuwenden – und denen nicht das Feld zu überlassen, die sich eine 
Normalität wünschen, die auf der Missachtung von Menschenwürde statt auf 
Respekt basiert.
Alles Gute für 2026."


Dies soll jetzt bitte nicht Anlass sein, über das Ende der 
Kurzwellenaussendungen der DW zu schreiben. Das ist inzwischen 
hinreichend bekannt und bedauert. Stattdessen können wir froh sein, dass 
es überhaupt Medien gibt, die, unabhängig vom Übertragungsweg, sich 
journalistischen Grundsätzen verpflichtet fühlen und aus ihre Herzen 
keine Mördergrube machen. Und es nicht bei den besten Hits der 60er, 
70er usw. - und von heute - belassen.

In diesem Sinne, für mehr echte Meinungsfreiheit auch in 2026, und gerne 
auch auf der Kurzwelle.

73 Tom


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