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Re: [A-DX] Peru



Am 16.05.2005 um 01:23 schrieb Dietmar Birkhahn:

PBT, sorry, das ist Passbandtuning, ein sogenannter Kerbfilter, mit dem kann man das Signal ein bischen besser Filtern in dem man das empfangene Signal
etwas nach "rechts" oder "links" vom Träger verschiebt.
Ich hoffe das war richtig erklärt...

Nicht ganz. Zunächst einmal braucht man Passbandtuning oder  
Passbandshift nur im ECSS-Mode. Was ist das denn nun wieder? Statt  
normalem AM stellt man den Empfänger auf LSB oder USB und dreht  
langsam übers Band. Ein Rundfunksender mit einem Träger macht dann  
das charakteristische Pfeifen, tieferwerdend bis man exakt auf  
Schwebungsnull ist. Das Interessante dabei ist, das schwächste  
Signale, über die man in AM leicht hinwegdrehen würde, sicher erkannt  
werden. Wenn man dann gaaanz langsam in dem Bereich abstimmt, in dem  
kein Brummen mehr vernehmbar ist, bis Musik nicht mehr jault und  
Sprache natürlich klingt, hat man die exakte Frequenz gefunden, z.B.  
4839,42 kHz. Das ließe sich in AM übrigens nicht so genau herausfinden.
Außerdem macht einem in dieser Empfangsart Fading nicht so zu  
schaffen, dank BFO-Hilfsträger.

Dann kommt es darauf an, aus welcher "Richtung" die heftigeren  
Störungen kommen. Nehmen wir mal an, auf 4840,00 wäre ein hauchdünnes  
Signal von Radio A (0,58 kHz von unserer Station entfernt) und etwas  
entferntes Utility-Geschnatter, auf 4835,00 (4,42 kHz entfernt) ginge  
es richtig mit Krawall von Radio B zur Sache, S9 plus Bollerwagen.

Dann dürfte das obere Seitenband besser sein. Schnell ausprobieren,  
zwischen USB und LSB hin- und herschalten, richtig, USB kommt besser.

Weil man jetzt gezwungen ist, den Empfänger auf der Frequenz zu  
belassen, braucht man PBT: Jetzt kann man elektronisch die  
Mittenfrequenz der ZF-Filter hin- und herschieben, somit die  
Filterkurve verändern. Leicht Richtung 4835 geschoben verschwindet  
das Utility-Geschnatter, ohne daß die Interferenzen von 4835 zu sehr  
zunehmen. Schon ganz gut. (In AM könnte man einfach leicht neben die  
Frequenz abstimmen, deshalb braucht man dort kein PBT). Das heißt  
also, mit PBT legt man die Filterdurchlaßkurve in den Bereich, der am  
wenigsten gestört ist.

Ein Punkt stört jetzt noch: Die Station auf 4840 macht sich mit einem  
störenden 580 Hertz-Ton bemerkbar, das nennt sich  
Heterodyninterferenz, die Differenz beider Frequenzen. Und 580 Hertz  
liegt voll in der Filterdurchlaßkurve. Das läßt sich jetzt mit einem  
Notchfilter beseitigen, und da man Notch mit Kerbe übersetzen kann,  
wird der terminus technicus gelegentlich auch mit dem unsäglichen  
Ausdruck "Kerbfilter" übersetzt. Mir rollen sich immer die Zehennägel  
auf, wenn ich das lesen muß...

Notchfilter "stanzen" einen sehr schmalen Frequenzbereich aus der  
Durchlaßkurve heraus, ohne sonst etwas zu verändern. D.h. ein  
Frequenzbereich von 570-590 Hertz fällt raus, damit hört das  
schreckliche Pfeifen auf, ohne daß sich das sonstige Klangbild groß  
ändert. Die Dinger gibt es bei guten Empfängern wie den NRDs auf HF- 
Seite, dort stellt man händisch an einem Drehknopf die Notchfrequenz  
ein, es gibt sie aber auch NF-seitig z.B. eingebaut in aufgerüsteten  
AR7030 oder als externes Zubehör von Dierking, Timewave etc. Die  
Notchfrequenz wird dort in wenigen Millisekunden bestimmt und  
ausgestanzt. Trotzdem ziehe ich ein HF-seitiges Notchfilter vor.

Zusammenfassung: PBT und Notchfilter sind zwei verschiedene Dinge,  
die aber gut zusammenspielen. ECSS dient zum besseren Finden von  
schwachen Stationen und um eine Empfangsqualität zu erreichen, die  
mit AM auch nicht annähernd möglich wäre.
--
Tschüß,
Martin     http://webadresse.geloescht/
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