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Re: [A-DX] Mischprodukt auf 1386 kHz


  • Subject: Re: [A-DX] Mischprodukt auf 1386 kHz
  • From: Name gelöscht <name.geloescht@xxxxxxxxxxxx>
  • Date: Sun, 23 Dec 2007 13:33:40 +0100


Am 23.12.2007 um 09:54 schrieb Jürgen Martens:

Martin, hast Du schon Versuche mit meiner 756 kHz-Sperre gemacht?
Deine Beobachtungen würden mich - und vielleicht auch andere -
sehr interessieren.

Ich habe das jetzt mal ausprobiert, hier kurz für die, die nicht wissen, um was es geht, die Vorgeschichte:

In der Nähe Wolfsburgs, etwa 10 km Luftlinie von mir entfernt, steht die Sendeanlage des DLF, im WRTH als "Königslutter" verzeichnet. Genaugenommen liegt die zwischen dem zu Cremlingen gehörenden Dorf Schandelah und dem Dorf Scheppau. Dicht dabei sind ein paar Bauernhöfe und irgendwelche alten Nissenhütten, die Ansiedlung nennt sich Wohld.

Wenn man auf der A2 von Hannover Richtung Berlin fährt, sieht man die Anlage rechterhand bei der Abfahrt auf die A39 nach Wolfsburg.

Vor gut 30 Jahren gab es dort zwei Sender, die das Programm des DLF übertrugen, 548 kHz mit 800 kW rund um die Uhr und zusätzlich 755 kHz tagsüber mit 200 kW. Der 548-kHz-Sender ist aber verschrottet. Jahrelang wurde dann nur auf 756 kHz mit 200 kW gesendet, bis die Landesmedienanstalt die Frequenz 630 kHz zur Nutzung ausschrieb, Sendeleistung 100 kW tags und ein Sechstel davon nachts. Dieser neue Sender wurde dann von Mega Radio bis zu deren absehbarer Pleite benutzt, wurde dann für einige Zeit eingemottet und wird jetzt von der Stimme Russlands benutzt. Was die mit dem Sammelsurium deutscher Mittelwellenfrequenzen eigentlich anfangen wollen, wissen die Götter. Aber egal.

Der DLF sendet über einen Rohrmast mit einem Gittermast dahinter zur Abschirmung von Rumänien auf 756 kHz. "Die Russen" senden über einen relativ kurzen, rundstrahlenden Gittermast, der sich wenige Hundert Meter entfernt vom Rohrmast befindet.

Zu Zeiten, als 756 kHz allein sendete, gab es wenig Probleme. Autoradios bringen hier auf 1512 kHz tagsüber den Deutschlandfunk mit O=5, man ist geneigt, das als zweite Harmonische des Senders anzusehen. Auch ein NRD oder ein AR7030 bringen tagsüber hier an unabgestimmten Drahtantenne den DLF, mit einer abgestimmten Rahmenantenne hingegen nicht. Der Fehler liegt also nicht am Sender, sondern es handelt sich um irgendwelche empfängerinternen Mischungen.

Lustig wurde es erst, als die 630 kHz dazu kam. Denn jetzt hat man das Problem von Mischungen, wenn zwei starke Sender dicht beieinander stehen.

Beispiel: 1386 kHz war hier immer gestört, wenn der Sender auf 630 kHz lief. Formel: 630+756 = 1386 kHz. Diese Mischfrequenz ist merkwürdigerweise seit dem Perseus weg, beim AR7030 trat sie auch an einer abgestimmten Loop auf. Ich war deshalb bis zum Perseus davon überzeugt, es handele sich um eine Störung durch die Sendeanlage.

Und eine Störung betraf 882 kHz, das ist 756 + 126 kHz. Die 126 kHz wiederum ist die Differenz von 756 und 630 kHz. Ebenso gibt es ein Signal auf 504 kHz, 630-126 kHz. Das ist wegen der freien Frequenz natürlich sehr auffällig.


Und jetzt geht es darum, auseinanderzufieseln, was ist vom Sender verursacht und was wird im Empfänger gemischt. Dazu hat mir Jürgen leihweise eine von ihm auf 756 kHz umgebaute Bandsperre geschickt. Damit wird die Frequenz 756 kHz extrem stark gedämpft, während der Rest ungedämpft durchkommt. Wenn nun die Mischungen noch immer auftreten, dann weiß man, daß sie von der Sendeanlage kommen, denn eine empfängerinterne Mischung kann man dann ausschließen, wenn eines der Mischung erzeugenden Signale stark abgeschwächt ist.

Eigentlich sollte man solche Messungen bei reinen Tagesbedingungen durchführen, die sind natürlich am 23.12. schlecht darstellbar... Ich habe das deshalb heute von 1115 bis 1145 UTC gemacht, viel mehr "Tagesbedingungen" gibt es jetzt nicht.

Antenne: Wellbrook ALA1530, Empfänger Perseus, S-Meter-Einstellung Rms. Antenne nicht gedreht und auf irgendwelche Minima/Maxima eingestellt, sondern während der gesamten Testreihe nicht verändert.

Signalstärken 756 kHz -12 dBm/-96 dBm (ohne Bandsperre, mit Bandsperre). D.h. das Mördersignal des DLF wurde von S9+65 dB auf etwa S4 gedämpft!

630 kHz: -20 dBm/-22 dBm, die Bandsperre hat dort praktisch keinen Signalverlust bewirkt. Auch zeigt sich, daß "der Russe" schlechter an der kleinen Antenne läuft, als die Sendeleistung von 100 gegenüber 200 kW erwarten lassen sollte: Statt theoretischer 3 dB sind es 8 dB weniger.

Hier einige Signalstärken in dBm anderer MW-Frequenzen, jeweils ohne/ und mit Bandsperre:

531 kHz -68/-68
594 kHz -62/-64
720 kHz -84/-84
783 kHz -57/-59
801 kHz -73/-72
828 kHz -64/-64
972 kHz -58/-59
1179 kHz -90/-88

D.h. das Einschalten der Bandsperre hat keinen messbaren Einfluß auf den MW-Empfang anderer Stationen. Allerdings dürfte ein Signal mit Bandsperre auch nicht stärker sein als ohne (wie bei 801 und 1179 kHz), aber bis ich das umgeschaltet hatte, haben sich die Signale minimal geändert. Ist halt doch keine Tagesausbreitung am Tag vor Heilig Abend. Und etwas Meßungenauigkeit ist halt auch immer dabei.

Nun aber zu den Mischprodukten 882 und 504 kHz, die waren beide auch mit der Bandsperre noch vorhanden. Auf 882 kHz etwa -72 dBm, allerdings mit Rückenwind durch den MDR und BBC Wales.

Auf 504 kHz kam das Mischsignal ohne Bandsperre mit -83 dBm, mit waren es -85 dBm. D.h. diese beiden Mischungen entstehen in der Sendeanlage des DLF und nicht im Empfänger.

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Tschüß,
Martin     http://webadresse.geloescht/


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