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[A-DX] Programmhörer und DXer



Hallo Martin,

Und dieser Meinung ist besagter DXer immer noch. Daß es
Geldverschwendung ist, deutschsprachige Auslandsdienste auf Kurzwelle
zu betreiben hat man in Finnland erkannt und die Konsequenzen gezogen.

DEINE Interpretation... Fakt ist, dass in Finnland fast die gesamte
Rundfunklandschaft umgekrempelt wurde (irgendwo kursierte mal
die Zahl von 1500 Leuten, die landesweit "freigesetzt" wurden), und
ich fürchte, die Leute, die über die Einstellung des Deutschen
Programms entschieden haben, wussten nicht einmal genau, was
sie da taten...

Andere werden folgen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Weil auch anderswo Entscheidungsträger sitzen, die nicht wissen,
was sie tun... (meine Interpretation).

Denn wenn es den gut gemachten, interessanten Sendungen aus Finnland,
die zudem gut zu hören waren nicht gelingt, eine Hörerschar zu
generieren, die den Aufwand rechtfertigt...

Die Hörerschar war da. Der Aufwand, diese hochengagierte Mini-
Redaktion in Finnland weiterlaufen zu lassen hätte sich allemal
gerechnet (Deutsch aus Finnland gibt's übrigens in ganz kleinem
Stil immer noch: Im Rahmen von Radio E, dem
Gemeinschaftsprogramm europäischer Auslandsdienste, hört man
Stefan Tschirpkes Beiträge nach wie vor. Wie übrigens auch die der
BBC, auf Deutsch!).

Wenn ich so zurückdenke, wieviele Sprachdienste Deutschland im Laufe
der Jahre aufgegeben hat, eben weil die paar Hörer den Aufwand nicht
mehr rechtfertigten.

Das ist deine Interpretation. Fakt ist, dass der Auslandsrundfunk
nach wie vor als Primärmedium von einer signifikanten Zahl von
Journalisten (und somit Multiplikatoren) genutzt wird. Fakt ist
außerdem, dass die ehrliche Antwort auf die Frage: "Wieviele Hörer
haben Sie?" lauten muss "Wir wissen es nicht!".

Und hieraus kann sich dann jeder seinen höchstpersönlichen und
ihm passenden Reim machen: Du, Martin, kommst zu dem
Ergebnis, dass Auslandsdienste nutzlos sind und nur Geld
verschwenden. Mark Byford von der BBC kommt zu dem Fazit,
dass sich ein Auslandsprogramm für einige Dutzend Hörer in
Botschaften durchaus rechnet, eines für Zigtausend "normale"
Hörer aber nicht. Meine persönliche Meinung ist, dass es ein
Armutszeugnis für ein Land ist, wenn es auf die überaus
kostengünstige Möglichkeit der Außendarstellung via
Auslandsdienst verzichtet.

Niederländisch... Und was ist passiert? Kommen deshalb weniger
dänische Touristen zu uns? Verkaufen wir weniger an die Schweden? Oder
verkaufen die darob vergrätzten Norweger weniger an uns?

Wir wissen es nicht. Fakt ist aber, dass die Schließung eines
Auslandsdienstes zumindest bei den bisherigen Hörern eine (z.T.
nachhaltige) Veränderung bewirkt.

Das Hören von Auslandsdiensten auf Kurzwelle oder auch via
Satellit ist übrigens nicht so exotisch, wie viele von uns vielleicht
denken. Aus unseren Kontakten der letzten Jahre wissen wir z.B.,
dass auch zahlreiche Prominente, Politiker und sogenannte
Meinungsbildner dieses Primärmedium nutzen (darunter zumindest
ein ehemaliger deutscher Bundespräsident, ein ehemaliger
deutscher Ministerpräsident, zahlreiche Landtagsabgeordnete -
einige sind auch Mitglied im Klub), Sänger, Komponisten und - eine
signifikante Zahl von Journalisten.

Gutes Bild hin oder her: In einer Diskussionsrunde wie dieser sollte
es doch wohl erlaubt sein, Klartext zu reden.

Klar, der Austausch kontroverser Meinungen ist ja der Sinn einer
Diskussionsrunde und dient der eigenen Meinungsbildung.
Schwierig wird's nur, wenn sich Emotionen zu sehr hochschaukeln
(wie seinerzeit zum Thema DRM).

daß kleine Auslandsdienste auf verlorenem Posten stehen. Mir imponiert
es, wie Rayen Braun in Buenos Aires unverdrossen ein Programm auf die
Beine stellt. Aber wenn wie so oft die Ionosphäre nicht mitspielt,
dann sind mit Rayen, dem Studiotechniker und dem Techniker in der
Sendestation mehr Leute mit der Sendung befasst als es Hörer in Europa
gibt. Und das ist für Dich keine Geldverschwendung?

So, wie es auch in Deutschland Hörer der Deutschen Welle gibt
(obwohl die doch fürs Ausland senden) gibt's auch in Argentinien
und vor allem im Süden Brasiliens zahlreiche Hörer des Deutschen
Dienstes von RAE. Selbst wenn RAE wegen schlechter Laune der
Ionosphäre nicht bis nach Europa durchkommt, dann werden sie
trotzdem gehört, davon bin ich überzeugt. Und wie viele Leute das
dann hören? Wenn man ehrlich ist, muss man antworten "Man weiß
es nicht!"

Thema Programmhörer & DXer: Diese künstliche konstruierte
Unterscheidung ist mir suspekt. Bin ich nun "Programmhörer", weil
ich bei Radio Abaroa oder Radio Libertad de Junín so gerne
hängenbleibe, wenn die brauchbar reinkommen, oder bin ich
"DXer", weil mich der Empfang des Englischen Dienstes der
Stimme Russlands via Petropawlowsk-Kamtschakski auch
fasziniert. Laut ursprünglichem Verständnis ist ein DXer jemand, der
weit entfernte Radiostationen hört (DX = Distance unknown), nicht
mehr und nicht weniger. Alles andere scheint persönliche
Interpretation zu sein, und hierbei gibt's dann eine gewaltige
Bandbreite. Die fängt an beim Empfang von UKW-Sendern, die
einige hundert Kilometer weit weg sind, geht über die
Kurzwellenstationen mit tausenden Kilometern Versorgungsgebiet
bis hin zu der Extremsituation, aus einer Gemengelage von 4 oder
5 Stationen auch noch das schwächste "mit dem Filter zwischen
den Ohren" verfolgen zu wollen.

Gruß in die Runde

Michael


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