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Re: [A-DX] Collins 651S1


  • Subject: Re: [A-DX] Collins 651S1
  • From: "Karsten Simon" <karstenpg.simon@xxxxxx>
  • Date: Mon, 25 Feb 2008 16:55:57 +0100

Hallo Nils,

ist der 651S-1 für uns Rundfunkhörer (analoge Betriebsarten AM, SSB)
wirklich so viel besser als sein Röhren-Vorläufer 51S-1?

Ich habe einen (SN 8324) und schwärme öfter davon. Sein Werdegang war: in NL
bei http://www.2dehands.nl/zendamateur/ gefunden, nach vorherigem Test und
anschließendem zähem Ringen für 800 Euro erstanden. Das Gerät war
insbesondere mechanisch i.O. (Abstimmung leichtgängig usw.). Bereich 7 MHz
war tot, alle anderen funktionierten ==> das würde also höchstens einen
neuen Quarz kosten. Instandsetzungsaufwand: ein Satz Röhren für 95 Dollar
und ein Oktalstecker für das Netzkabel für ein paar Dollar, alles von K5SVC,
sowie für ca. 20 Euro ein neuer Quarz als Sonderanfertigung. Weiterhin 4
Dioden für den Umbau der Röhrenheizung auf Gleichspannung (wirkungsvollste
Maßnahme gegen Netzbrumm) und 3 Netzteil-Elkos. Im übrigen Zeit und vor
allem Muße für einen kpl. Neuabgleich. Später für ganze 16 Dollar Ersatz des
Standard AM Spulenfilters durch ein 6 kHz mech. Filter Damit ist AM hören
ein Genuß. Der Neuabgleich erfordert keinen Spezialisten und an Geräten
lediglich einen ordentlichen Meßsender, ein Digitalmultimeter, ein HF
Voltmeter und (zur Arbeitserleichterung, es geht auch ohne) ein Oszilloskop.
Das kpl. Handbuch mit allen Schaltplänen, sehr gut zu befolgender
Abgleichanleitung usw. gibt es als Reprint für ca. 20 Dollar oder umsonst
als Download von der CCA Homepage. Der Lohn der Arbeit ist natürlich zuerst
einmal ein wenig Stolz und Befriedigung, sodann aber ein höchst
empfindlicher Empfänger mit ganz ausgezeichneter Sprachverständlichkeit,
einem äußerst wirkungsvollen Q-Multiplier ("Rejection Tuning")  und einem
Sexappeal, den der ziemlich dröge daherkommende 651S-1 einfach nicht hat.

Real radios glow in the dark.

Bekannter Nachteil: unterhalb 2 MHz kann man die Kiste leider ziemlich
vergessen. Die Gründe sind ja vielfach besprochen und im Internet
nachzulesen.
Dafür arbeitet das Gerät im Bereich 2 ... 7 MHz als Dreifachsuper, darüber
als Doppelsuper. Ab und zu erlebe ich, daß der 51S-1 noch ein lesbares
Signal bringt, wo mein NRD-535D bereits zu stark rauscht. Die
Sprachverständlichkeit des 51S-1 ist sowieso um Längen besser. Den im Design
und klanglich gut dazu passenden und noch bezahlbaren Lautsprecher gibt es
z.B. hier: http://www.advanced-optics.com/collins.htm . Der Lohn der Arbeit
ist ein Spitzenradio für vielleicht 1200 Euro, die Freude über die gelungene
Instandsetzung gibt es gratis.

51S-1 werden gar nicht so selten angeboten. Ein Gerät mit hoher Seriennummer
/ rundes Emblem verdient das Hinschauen allemal. Es sollte aber das
originale Gehäuse, den metallenen Blendrahmen und unbedingt den Abstimmknopf
mit Schwungradeffekt ("weighted tuning knob") und möglichst auch die
Feststellbremse haben. Bei Schwierigkeiten während der Instandsetzung hilft
das Internet, spätestens aber die Collins Collectors Association. Die Jungs
sind alle Collins Freaks, darunter etliche 51S-1 Spezialisten.

Nebeneffekt: mit den Röhrenradios ist es wie mit Oldtimerautos. Solange sie
grundsätzlich was taugen und originalgetreu sind, wird ihr Preis wesentlich
bestimmt durch die Begehrlichkeit, die sie wecken (Männerspielzeug,
Sexappeal), nicht aber durch den Vergleich ihrer Leistungsdaten mit dem
aktuellen Stand der Technik. Deshalb verkauft Singer als
Gebrauchtwagenhändler ja auch einen 651S-1. Ein 51S-1 würde gar nicht zu
seinem Geschäftsmodell passen.

Gruß, Karsten




-----Ursprüngliche Nachricht----- 
Von: "Nils Schiffhauer" <nils.schiffhauer@xxxxxxxxxxx>
An: <liste@xxxxxxx>
Gesendet: Freitag, 22. Februar 2008 18:18
Betreff: [A-DX] Collins 651S1


Wen es juckt - und mich juckte es schon: Singer hat einen Collins 651S-1 im
Angebot:
http://www.helmut-singer.de/stock/1351874597.html

Das ist der transistorisierten Nachfolger des 51S-1. Leider ist in diesem
Fall meine Prophezeiung, dass der Perseus die Preise von derlei Preziosen
bodenlos sinken lasse, noch nicht so recht eingetroffen; mit 1.754 Euro
steht er zu Buche. Immerhin hat Seine Königliche Hoheit Hussein von
Jordanien, JY1, das coole Stück auf seinem Tisch gehabt.
Auch wer das Geld nicht locker im Hosensack trägt, möge sich doch mal auf
der letzten Seite des dazugehörigen Prospektes ansehen, in welch feinem
Ambiente der Receiver eine gute Figur machen sollte - vom Privatjet über die
Motoryacht (Bogart hatte da 1948 noch einen Hallicrafters in "Gangster in
Key Largo" an Bord) und den BND/CIA-konformen Hartschalenkoffer bis zum
Chefbüro / in dem es dann freilich nicht mehr für einen Eames-Stuhl reichte.
http://www.helmut-singer.de/pdf/collins651s1.pdf

73 Nils, der sich die Frage: "Kann der auch DRM?" energisch verbittet; hier
geht es um Heiligtümer des Empfängerbaus!



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